Organisationsaufstellung

Definition: Was ist eine Organisationsaufstellung?

Die Organisationsaufstellung ist eine Form der systemischen Aufstellung, die der Analyse und gezielten Weiterentwicklung von Organisationen dient. Sie wird insbesondere in Unternehmen eingesetzt, um komplexe Beziehungs- und Wirkungszusammenhänge sichtbar zu machen.

 

Bei einer Organisationsaufstellung werden zentrale Elemente eines Systems – zum Beispiel eines Unternehmens, einer Organisationseinheit oder eines Projektteams – im Raum so platziert, dass ihre Beziehungen, Abhängigkeiten und Interdependenzen sichtbar und analysierbar werden.

 

Ziel ist es, verborgene Dynamiken, Kommunikationsmuster und strukturelle Spannungen in Organisationen zu erkennen und konstruktiv zu bearbeiten.

 

Organisationsaufstellung in Unternehmen

In Unternehmen wird die Organisationsaufstellung vor allem im Kontext von:

 

  • Change- und Transformationsprozessen
  • Reorganisationen
  • Kulturveränderungen
  • Konfliktklärung
  • Strategie- und Strukturentwicklung

 

eingesetzt.

 

Sie eignet sich besonders für komplexe Systeme, in denen klassische Analyseinstrumente an ihre Grenzen stoßen, weil formale Organigramme oder Prozessbeschreibungen informelle Dynamiken nicht ausreichend erfassen.

 

Organisationsaufstellung: Arbeit mit Stellvertretern oder Figuren

Wie bei einer Familienaufstellung werden bei der Organisationsaufstellung einzelne Mitglieder oder Elemente eines Systems – beispielsweise:

 

  • Abteilungen
  • Projektteams
  • Führungsebenen
  • externe Dienstleister
  • Markt, Wettbewerb oder Kunden

 

entweder durch anwesende Personen (sogenannte Stellvertreter) repräsentiert oder symbolisch durch Figuren dargestellt.

 

Diese werden im Raum (oder auf einem Tisch) entsprechend der wahrgenommenen Beziehungen angeordnet. Auf diese Weise werden Beziehungsmuster, Kommunikationsstrukturen, Abhängigkeiten und Spannungsfelder sichtbar. Auch abstrakte Elemente wie „Markt“, „IT-System“, „Strategie“ oder „Unternehmenskultur“ können in einer Organisationsaufstellung integriert werden.

 

Nutzen der Organisationsaufstellung

Systemische Organisationsaufstellungen sind ein bewährtes Instrument der Organisationsentwicklung, um insbesondere komplexe soziale Systeme zu analysieren. Ihr besonderer Nutzen liegt darin, dass sie:

 

  • implizite Dynamiken sichtbar machen
  • unausgesprochene Konflikte offenlegen
  • Entscheidungsblockaden klären helfen
  • systemische Lösungsoptionen aufzeigen
  • gemeinsame Perspektiven auf ein Problem ermöglichen

 

Sie werden häufig genutzt, wenn Systeme gezielt weiterentwickelt werden sollen – sei es auf der Kultur-, Struktur- oder Prozessebene, da sich diese Ebenen gegenseitig beeinflussen. Organisationsaufstellungen liefern wertvolle Einsichten und Impulse, um sich beispielsweise auf eine gemeinsame Sichtweise des Problems oder auf ein tragfähiges Vorgehen bei dessen Lösung zu verständigen.

 

Ausgangspunkt einer Organisationsaufstellung

Ausgangspunkt ist in der Regel ein akutes Problem oder ein dringendes Anliegen des Klienten, zu dem neue Erkenntnisse gewonnen werden sollen.

 

Typische Fragestellungen sind:

  • Wie können wir unsere Reaktionszeit auf Marktveränderungen verkürzen?
  • Warum funktioniert die bereichsübergreifende Zusammenarbeit nicht?
  • Warum ist die Mitarbeiterzufriedenheit rückläufig?
  • Warum greifen strategische Entscheidungen nicht wie geplant?

 

Die Organisationsaufstellung hilft dabei, die systemischen Ursachen hinter solchen Symptomen zu erkennen.

 

Ablauf einer Organisationsaufstellung

Organisationsaufstellungen werden in der Regel von einem externen oder neutralen Berater moderiert.

1. Auswahl der Stellvertreter

Der Klient bestimmt die aus seiner Sicht wichtigsten Elemente des Systems (z.B. Top-Management, HR, operative Führungskräfte, Mitarbeitende, IT) und wählt Stellvertreter aus.

2. Darstellung des Ist-Bilds

Die Stellvertreter werden entsprechend der intuitiven Wahrnehmung des Klienten im Raum positioniert. Auch für den Klienten selbst wird eine Stellvertretung gewählt. So entsteht ein räumliches „Beziehungsbild“ des Systems.

3. Erfragen der Wahrnehmungen

Die Stellvertreter äußern ihre Wahrnehmungen, Empfindungen und Beobachtungen in ihrer jeweiligen Position. Diese können sich beziehen auf:

  • Befinden („Ich fühle mich isoliert.“)
  • Emotionen
  • körperliche Wahrnehmungen
  • Rollenunklarheiten

Der Klient beobachtet das Geschehen zunächst von außen.

4. Entwicklung eines Lösungsbilds

Auf Basis der Rückmeldungen werden Positionen verändert. Schrittweise entsteht ein neues, stimmigeres Bild, das einer möglichen Lösung entspricht.

5. Integration

Der Klient nimmt die Position seines Stellvertreters ein und erlebt die veränderte Konstellation. Nach Abschluss werden die Stellvertreter aus ihrer Rolle entlassen. Der Zeitbedarf beträgt je nach Komplexität des Systems meist ein bis zwei Stunden.

 

Organisationsaufstellung als Instrument im Change Management

Organisationsaufstellungen sind besonders wirkungsvoll in Change- und Transformationsprojekten, da sie:

 

  • kulturelle Spannungen sichtbar machen
  • Macht- und Einflussdynamiken offenlegen
  • Widerstände systemisch erklärbar machen
  • neue Handlungsoptionen erfahrbar machen

 

Sie ergänzen klassische Analyseinstrumente wie Organigramme oder Prozessmodelle um eine systemische Perspektive.

 

Grenzen der Organisationsaufstellung

Trotz ihrer Wirksamkeit ist die Organisationsaufstellung kein „Allheilmittel“. Sie ersetzt keine strategische Analyse oder strukturelle Planung. Vielmehr liefert sie qualitative Erkenntnisse, die in weitere Entscheidungsprozesse integriert werden sollten. Voraussetzung für eine erfolgreiche Organisationsaufstellung sind:

 

  • Offenheit der Beteiligten
  • professionelle Moderation
  • klare Zieldefinition

 

 

 

 

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