Gallery Walk

Definition

Der Gallery Walk ist eine Moderationsmethode, bei der innerhalb kurzer Zeit mit hoher Aufmerksamkeit Ergebnisse – etwa aus Diagnostiken, Analysen oder Arbeitsgruppen – vermittelt und gemeinsam reflektiert werden. Der Gallery Walk wird häufig in Change- und Organisationsentwicklungsprozessen eingesetzt, um Beteiligte für zentrale Themen zu sensibilisieren und erste Diskussionen anzuregen.

 

Ziel und Einsatz des Gallery Walks

Ein Gallery Walk ermöglicht es, komplexe Inhalte strukturiert sichtbar zu machen und gleichzeitig Raum für individuelle Reaktionen, Kommentare und Bewertungen zu schaffen. Die Methode eignet sich insbesondere, um:

  • Diagnostik-Ergebnisse zu vermitteln,
  • unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen,
  • Beteiligung zu fördern,
  • und Veränderungsthemen bewusst zu machen, ohne lange Plenumsdiskussionen.

 

Inhalt und Aufbau eines Gallery Walks

Die Ergebnisse werden an mehreren Stationen im Raum dargestellt. Pro Station werden in der Regel ein bis zwei Poster oder Pinnwände genutzt. Typische Stationen sind:

 

  • Daten-Wand
    z. B. mit Zitaten aus Tiefeninterviews, Ergebnissen aus Card-Sorting-Übungen oder Auswertungen vorhandener Daten.
  • Themen-Wand
    mit zusammengefassten Ergebnissen der Diagnostik sowie möglichen Ursachen, beispielsweise visualisiert durch Grafiken oder Cartoons.
  • Von-zu-Wand
    mit der Beschreibung des aktuellen Zustands, offenen Fragen sowie ersten Überlegungen zum Zielbild.

 

Diese Struktur unterstützt die Teilnehmenden dabei, sich schrittweise einen Überblick zu verschaffen.

Ablauf eines Gallery Walks

Für die Moderation eines Gallery Walks gibt es zwei bewährte Varianten:

Variante 1: Gemeinsamer Rundgang

Ein Moderator führt die gesamte Gruppe von Station zu Station und erläutert jeweils die dargestellten Inhalte. Kurze Austauschphasen ermöglichen erste Rückmeldungen.

Variante 2: Rotierendes Gruppenformat

Es gibt mehrere Gruppen (maximal so viele wie Stationen). An jeder Station befindet sich ein fester Moderator, der mit dem jeweiligen Thema vertraut ist, z. B. Projektleiter, Führungskräfte oder Mitglieder einer Arbeitsgruppe.

 

  • Die Teilnehmenden rotieren im 5- bis 10-Minuten-Rhythmus auf ein akustisches Signal hin von Station zu Station.
  • Der Moderator stellt die Ergebnisse kurz vor.
  • Anschließend haben die Teilnehmenden Raum für erste Reaktionen und kurze Diskussionen.
  • Kommentare, Fragen oder Bewertungen werden z. B. auf Flipcharts, mit Klebezetteln oder Klebepunkten festgehalten.

 

Wirkungsweise des Gallery Walks

Der Gallery Walk erfordert eine hohe Konzentration, da pro Station nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig stellt die Methode sicher, dass:

 

  • alle Teilnehmenden alle Ergebnisse wahrnehmen,
  • sich jede Person ein eigenes Bild machen kann,
  • und Rückmeldungen eingebracht werden, ohne die Zeit aller im Plenum zu beanspruchen.

 

Gerade bei sensiblen oder umfangreichen Themen ist dies ein großer Vorteil gegenüber klassischen Präsentationen.

 

Variationen und Abgrenzung

Gallery Walk mit Ergebnissen aus Arbeitsgruppen

Der Gallery Walk kann auch genutzt werden, um Ergebnisse paralleler Arbeitsgruppen zu würdigen und zu reflektieren. Die Bitte um Kommentierung lenkt die Aufmerksamkeit und liefert den Gruppen wertvolle Hinweise zur Überarbeitung ihrer Ergebnisse. Bei themengleicher Arbeit erweitert sich so das Ergebnisspektrum.

Abgrenzung zum Markt

Eine ähnliche Präsentationsform ist der Markt. Hier entscheiden die Teilnehmenden selbst, welche Station sie besuchen und wie lange sie dort bleiben. Dies führt zu mehr Einzeldiskussionen, stellt jedoch nicht sicher, dass alle alle Ergebnisse kennen.

Weniger moderierte Variante

Eine weniger diskussions- und moderationsintensive Variante besteht darin, dass sich der Moderator lediglich für Fragen an der Station aufhält, ohne Inhalte aktiv vorzustellen oder Diskussionen zu lenken. Die Kommentare fallen dabei individueller aus.

Hybride Variante

Zwischen Markt und Gallery Walk liegt eine Variante, bei der jede Person nur eine festgelegte Anzahl von Stationen auswählt – etwa dann, wenn es mehr Stationen als verfügbare Zeit gibt.

Weitere mögliche Schritte nach einem Gallery Walk

Ein Gallery Walk bildet häufig den Einstieg in vertiefende Arbeitsschritte, zum Beispiel:

 

  • Bildung von Task-Force-Gruppen, die ausgewählte Themen weiter vertiefen
  • Überarbeitung der eigenen Plakate oder Ergebnisse in Arbeitsgruppen
  • Eine anschließende Prioritätensetzung, um zentrale Themen und Handlungsfelder festzuhalten (z. B. in einem Spiegel-Workshop)

 

 

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