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Wesentlichkeitsanalyse

Eine Wesentlichkeitsanalyse, auch Materialitätsanalyse genannt, wird oft im Rahmen der strategischen Analyse und Planung von Unternehmen erstellt. Sie dient dazu, die für ein Unternehmen und seine Stakeholder relevanten Nachhaltigkeitsthemen zu ermitteln.

 

Themenfelder der Wesentlichkeitsanalyse 

Eine Wesentlichkeitsanalyse besteht aus folgenden drei Teilanalysen:

 

  1. Umfeldanalyse,
  2. Unternehmensanalyse,
  3. Analyse der Erwartungen der Stakeholder.

 

Umfeldanalyse

Jedes Unternehmen agiert in einem Umfeld, das es nur bedingt beeinflussen kann. Deshalb muss es seine strategische Planung und sein Handeln auch

 

  • an den gegebenen Rahmenbedingungen sowie den zu erwartenden Veränderungen in seinem Umfeld und
  • den sich hieraus ergebenden Chancen und Risiken

 

orientieren, um mittel- und langfristig erfolgreich zu sein.

 

Die Umfeldanalyse umfasst unter anderem folgende Faktoren:

 

  • politisches Umfeld (z.B. Subventionen, Steuerpolitik)
  • juristisches Umfeld (z.B. Handels-/Arbeitsrecht, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz)
  • ökonomisches Umfeld (z.B. wirtschaftliche/konjunkturelle Entwicklung)
  • ökologisches Umfeld (z.B. Klimawandel, Verfügbarkeit von Rohstoffen, Recycling)
  • technologisches Umfeld (z.B. neue Produktionsverfahren, Produktinnovationen, Digitalisierung)
  • gesellschaftliches Umfeld (z.B. demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Wertewandel)

 

Daneben werden unternehmensbezogen in der Regel folgende Faktoren analysiert:

 

  • Branche (z.B. Zahl der Mitbewerber, Eintrittsbarrieren für neue Mitbewerber)
  • Markt (z.B. Wachstumsmarkt oder nicht, Beschaffungs-/Absatzmarkt)
  • Kunden (z.B. Zahl, Kaufkraft, Kundenwünsche)
  • Mitbewerber (z.B. Stärken/Schwächen)

 

Unternehmensanalyse

Die Unternehmensanalyse dient dem Ermitteln der Stärken und Schwächen eines Unternehmens und somit seiner Wettbewerbsfähigkeit. Analysiert werden diesbezüglich unter Berücksichtigung seiner Historie, Marktposition, Kompetenzen und Ressourcen beispielsweise

 

  • das Geschäftsmodell,
  • das Produktportfolio,
  • die Wertschöpfungskette,
  • die Innovationskraft und Reaktionsgeschwindigkeit.

 

Analyse der Erwartungen der Stakeholder

Bei ihr werden zunächst die relevanten Stakeholder bzw. Anspruchsgruppen ermittelt. Hierbei handelt es sich um die Organisationen bzw. sozialen Systeme sowie Personen(-gruppen), die einen Einfluss auf das Unternehmen und das Erreichen seiner Ziele haben. Dabei kann man folgende Anspruchsgruppen unterscheiden:

 

  • wirtschaftliche Anspruchsgruppen (z.B. Kunden, Lieferanten, Kapitalgeber)
  • gesellschaftliche Anspruchsgruppen (z.B. Staat, Kommunen, Medien, betroffene Bürger)
  • ökologische Anspruchs- bzw. Anwaltsgruppen (z.B. Umweltschutzverbände/-gruppen, Verbraucherschützer)
  • interne Anspruchsgruppen (z.B. Mitarbeitende, Betriebsrat)

 

Nach dem Ermitteln der relevanten Stakeholder werden deren zentrale Interessen und Einflussmöglichkeiten bestimmt und erfasst.

 

Basierend auf Wesentlichkeitsanalyse erfolgt strategische Planung

Die Ergebnisse der drei Teilanalysen fließen in einer Wesentlichkeitsmatrix zusammen, die die relevanten Themen aus Sicht des Unternehmens und der verschiedenen Stakeholder gegenübergestellt, sodass die Handlungsfelder im Bereich der Nachhaltigkeit ermittelt werden können.

Hierauf aufbauend kann die strategische Planung durch das Management erfolgen, bei der unter anderem

 

  • die strategischen Ziele,
  • die Maßnahmen zur Zielerreichung sowie
  • die wichtigsten Kennzahlen (Key Performance Indicators) zur Kontrolle des Grades der Zielerreichung definiert werden

.

Auf die Wesentlichkeitsanalyse folgt meist eine Wechselwirkungsanalyse

Um die formulierten strategischen (Nachhaltigkeits-)Ziele sicher zu erreichen, wird nach dem Erstellen der Wesentlichkeitsanalyse oft noch eine Wechselwirkungsanalyse (Cross-Impact-Analyse) durchgeführt. Bei ihr werden die sogenannten Wechselwirkungen bzw. Interdependenzen ermittelt. Das heißt, es wird ermittelt, wie sich gewisse Ereignisse – seien dies Entscheidungen oder Handlungen des Unternehmens oder Veränderungen im Unternehmensumfeld – auf solche Zielgrößen wie Liquidität, Liefer-/Marktfähigkeit, Image des Unternehmens auswirken. Dies ist wichtig, um sicherzustellen, damit das Unternehmen in einem dynamischen, also sich verändernden Umfeld seine Ziele erreicht.

 

Nachhaltigkeit im Unternehmen: Alles beginnt mit der Wesentlichkeitsanalyse"

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