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Szenariotechnik

Die Szenariotechnik ist eine in der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gängige Methode zur Strategieentwicklung und zur strategischen Planung.

Ziel der Strategieentwicklung mit der Szenariotechnik

Ihr Ziel ist es, mögliche künftige Entwicklungen gedanklich vorweg zu nehmen, zu analysieren und möglichst zusammenhängend so zu beschreiben, dass hieraus zunächst
  • Ziele, dann
  • Handlungsstrategien und hieraus wiederum
  • Maßnahmen
abgeleitet werden können.

Szenarien sind auf Annahmen beruhende Zukunftsbilder

Bei der Strategieentwicklung mit der Szenario-Technik entwerfen zum Beispiel die Entscheider in den Unternehmen zunächst unterschiedliche Szenarien, also Zukunftsbilder. Hierzu zählt der sogenannte „Worst case“ – also das Zukunftsbild, das entsteht, wenn aus Sicht des Unternehmens alles negativ läuft.

Annahmen, die zum Beispiel aktuell in der Phase der Lockerung des corona-bedingten Lockdowns, den Worst Case Szenarien von Unternehmen zugrunde liegen können, sind:
  • Die Corona-Krise wird über viele Jahre das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben bestimmen, weil kein passender Impfstoff gefunden wird.
  • Ein großer Teil unserer (Ziel-)Kunden und viele Staaten werden zahlungsunfähig und entsprechend gering wird ihre Investitionsfähigkeit sein.
  • Unsere Lieferketten für die Rohstoffe x und y brechen nachhaltig zusammen und entsprechend eingeschränkt ist unsere Produktionsfähigkeit.
Sozusagen das positive Gegenbild zum „Worst case“ ist der „Best Case“. Er beschreibt das Zukunftsbild, wenn aus Unternehmenssicht alles optimal verläuft. Annahmen, die ihm zugrunde liegen, können sein:
  • Es gelingt bis Frühjahr 2021 einen Impfstoff zu entwickeln und in großen Mengen industriell zu fertigen.
  • Die Kaufkraft unserer Zielkunden wird durch die Krise nicht sinken. Zudem werden die Förderprogramme vieler Staaten unseren Absatz puschen.
  • Die Preise für die von uns benötigten Rohstoffe/Teile werden nachhaltig sinken. Deshalb können wir günstiger produzieren.

Szenariotechnik: Vom „Best Case“ und „Worst-Case“ zum „Trend Case“

Das Entwickeln des Best case und Worst Case dient auch dazu, den Horizont der Entscheider für den „Möglichkeitsraum“ zu erweitern – also dafür
  • „Was könnten mögliche Konsequenzen der Corona-Pandemie sein?“ und
  • „Welche Einflussfaktoren gilt es zu beachten?“. Hierauf aufbauend tasten die Entscheider sich dann an die Entwicklung des sogenannten „Trend case“ hieran. Er beschreibt, was aus Unternehmenssicht das realistischste Szenario, also Zukunftsbild ist, das der weiteren Strategie- und Maßnahmenplanung des Unternehmens zugrunde gelegt werden sollte.

Szenariotechnik in Krisen- und Marktumbruchzeiten

In Krisen- bzw. Markumbruchzeiten – wie aktuell in der Corona-Krise – kämpfen die Entscheider bei der Strategieentwicklung mit der Szenario-Technik mit einem Problem. Normalerweise gilt die Faustregel: Je länger der gültige Zeitraum für die entwickelte Strategie ist, umso unwahrscheinlicher ist es im Zeitverlauf, dass die Rahmenbedingungen und Annahmen, die dem „Trend case“ zugrunde liegen, noch gelten. Mit der Zeit steigt also die Wahrscheinlichkeit einer Abweichung, so dass ein Positives Extremszenario (Best Case) oder Negatives Extremszenario Realität wird (Worst Case). Der sogenannte Szenario-Trichter öffnet sich immer weiter.

Anders ist dies in der aktuellen Krisensituation. In ihr ist die Trichteröffnung zum Zeitpunkt der Szenarioerstellung und hierauf aufbauenden Strategieentwicklung nicht sehr klein, sondern groß – und die Annahmen, die den Entscheidungen zugrunde liegen, sind hochspekulativ. Letztlich leben zurzeit alle Entscheider in die Hoffnung, dass sich in den kommenden Monaten der „Möglichkeitsraum“ verkleinert und sich die Fragen
  • „Wie geht weiter?“ und
  • „Auf welche Eckdaten können wir bei unseren strategischen Planungen bauen?“
zunehmend klären. Die Entscheider in den Unternehmen können bei der Strategieentwicklung und Maßnahmenplanung aktuell sozusagen solange nur auf Sicht fahren, bis sich der Nebel zumindest gelichtet hat.

Die (vorläufigen) Strategien regelmäßig überprüfen

Entsprechend vorläufig ist in der Regel Charakter der mit Hilfe der Szenario-Technik entwickelten Strategien. Es muss regelmäßig geprüft werden, inwieweit sich die ihnen zugrunde liegenden Annahmen im Zeitenverlauf als zutreffend erweisen. Zudem gilt es einen Fahr- und Zeitplan zu definieren, wann und wie die Entscheider überprüfen, ob das Unternehmen mit der vereinbarten Strategie seine Ziele erreicht oder ob eine Modifikation der Strategie und des Maßnahmenplans nötig ist.

Entwicklung von Szenarien und Strategien mit K&P

Die Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner unterstützt Unternehmen beim Entwickeln kurz-, mittel- und langfristiger Strategien u.a. mit Hilfe der Szenario-Technik – unter anderem mittels von K&P-Beratern moderierten Strategieworkshops. Außerdem unterstützt sie Unternehmen und deren Mitarbeiter bei der Strategieumsetzung im Betriebsalltag.

K&P-Video: Die verschiedenen „Strategieschulen“ – erklärt von Dr. Georg Kraus

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