In unserer Gesellschaft besteht aktuell weggehend ein Konsens: Damit unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt, muss sich vieles ändern.
Das erleichtert es Unternehmen, Change- und Transformationsprojekte durchzuführen - auch solche, die mit einem Personalabbau verbunden sind.
Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Georg Kraus.
Aktuell liest und hört man in den Medien nahezu täglich Meldungen, dass Unternehmen die Entlassung von Hunderten oder gar Tausenden von Mitarbeitenden planen.
Doch hierüber echauffiert sich niemand. Und von einem Versagen des Managements, das zum nötigen Umbau und Personalabbau führte, ist - wenn überhaupt - meist nur am Rande die Rede, vielmehr sind die Meldungen oft sogar mit der Info garniert: Die Unternehmensleitung sucht mit den Gewerkschaftsvertretern nach einer sozialverträglichen Problemlösung.
Der Grund hierfür: In unserer Gesellschaft herrscht zurzeit parteien- und die verschiedenen Gesellschaftsgruppen übergreifend ein Konsens, dass sich in unserer Gesellschaft und in den Betrieben sehr vieles verändern muss, damit unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig wird oder dies bleibt.
Das erleichtert es Unternehmen aktuell, auch solche Change- und Transformationsprojekte in ihrer Organisation anzukündigen und zu realisieren, die
Dessen ungeachtet müssen jedoch auch diese Projekte professionell gemanagt werden, damit in den Unternehmen nicht folgende Situation entsteht, die man in Unternehmen im Umbruch oft registriert: In den oberen Führungsetagen herrscht, nachdem die erforderlichen strategischen Grundentscheidungen getroffen wurden, eine Aufbruchsstimmung.
Zudem verbreiten sie - zumindest nach außen - eine große Zuversicht "Wir schaffen das, wenn ...". Auf den unteren Ebenen hingegen liegen die Nerven blank. Hier dominiert die Zukunftsangst und es brodelt die Gerüchteküche darüber, was "die da oben" vorhaben.
Entsprechend negativ ist die Stimmung und Atmosphäre im Betrieb.
Die Kernaufgaben des Managements beim Initiieren und Realisieren von Change- und Transformationsvorhaben hat der Havard-Professor John P. Kotter wie folgt beschrieben:
Diese allgemeine Vorgehensbeschreibung von Kotter bleibt recht vage, da sie von der Situation in den einzelnen Unternehmen und in den verschiedenen Branchen abstrahiert.
Deshalb hier noch einige Tipps, worauf Unternehmen beim Realisieren eines Changeprojekts achten sollten, sofern ihnen folgende Faktoren wichtig sind:
Das Erreichen dieser Ziele erfordert ein detailliertes Drehbuch für den Changeprozess.
Dieses sollte auch ein Kommunikationskonzept enthalten, in dem definiert ist, wann wer welche Informationen durch wen über den geplanten Veränderungsprozess erhält.
Um ein Brodeln der Gerüchteküche und unnötige Unruhe in der Organisation zu vermeiden, sollte zudem so früh wie möglich publik gemacht werden, welchen Mitarbeitern gekündigt wird.
Dies ist nötig, um
Aus Changeprojekten resultieren stets auch besondere Anforderungen an die Führungskräfte.
Deshalb sollten für sie Unterstützungsmaßnahmen organisiert werden zum Beispiel Schulungen zu Themen wie „Führen in Zeiten von Personalabbau" und „Führen von Trennungsgesprächen".
Zudem empfiehlt es sich, da mit jedem Change-prozess außer einer höheren Arbeitsbelastung auch eine höhere psychische Belastung der Führungskräfte einher geht, diesen einen Coach zur Seite zu stellen, den sie im Bedarfsfall kontaktieren können.
Dies ist auch nötig, weil sich größere Changeprozesse nur bedingt zentral steuern lassen.
Deshalb benötigen die lokalen Einheiten eine fachliche und mentale Unterstützung.
Sinnvoll ist es auch, in de Organisation ein "Frühwarnsystem" zu implementieren, das im Projektverlauf anzeigt, ob das Unternehmen sich noch auf dem richtigen Weg befindet, die Projektziele zu erreichen oder ein Interventionsbedarf besteht.
Zudem sollte eine Art Seismograph existieren, der anzeigt, inwieweit die Mitarbeitenden noch hinter dem Projekt stehen, denn in Veränderungsprozessen sinkt im Projektverlauf zuweilen die Motivation von Mitarbeitern bzw. Mitarbeitergruppen, obwohl sie dem Prozess eigentlich positiv gegenüberstehen.
So zum Beispiel, wenn sie allmählich merken, was die geplante Veränderung für sie bedeutet.
Oder wenn unvorhergesehene Probleme auftauchen. Deshalb sollte es ein Frühwarnsystem dafür geben, ob bei bestimmten Mitarbeitergruppen die Gefahr besteht, dass sie aus dem Prozess aussteigen.
Dies kann zum Beispiel eine regelmäßig stattfindende (partielle) Mitarbeiterbefragung-differenziert nach Hierarchieebenen - sein, die die Dimensionen "Information", "Kommunikation", "Engagement" und "Unterstützung" umfasst.
Der Gefahr, dass gekündigte Mitarbeiter den Prozess stören, kann mit einem Exit-Programm entgegengewirkt werden, das regelt,
Dies ist nötig, damit die gekündigten Mitarbeiter nach einem anfänglichen Frust registrieren: Das Unternehmen fühlt sich uns trotz Kündigung weiterhin verpflichtet, so dass
Die Existenz eines solchen Programms ist aber auch für das Befinden der „Survivor", also der Mitarbeiter, mit denen das Unternehmen seine Zukunft gestalten möchte, wichtig, denn: Inwieweit sie ihrem Arbeitgeber noch vertrauen, hängt auch davon ab, als wie fair sie dessen Umgang mit ihren Ex- oder Noch-Kollegen empfinden.
Beachten Unternehmen die genannten Punkte, dann können sie auch Change- und Transformationsprojekte, die
Dies gilt insbesondere in der aktuellen Situation, in der gesellschaftlich weitgehend ein Konsens besteht:
Als Stichwort seien hier nur die Begriffe KI und neue Weltordnung genannt. Und:
Denn in ihr können Unternehmen ihren Mitarbeitern und sonstigen Stakeholdern recht einfach vermitteln „Wir müssen aktiv werden, damit wir..."-und zwar ohne, dass sogleich (firmenintern und -extern) das Management am Pranger steht.
Entsprechend problem- bzw. widerstandslos lassen sich zurzeit Change-und Transformationsprojekte initiieren und realisieren-unter folgenden Voraussetzungen:
Das Unternehmen plant das Projekt professionell, es spielt (soweit möglich) mit offenen Karten und integriert die Mitarbeiter (soweit möglich) in den Prozess.